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Allgemeine Fischkunde PDF Drucken

Körperbau

Der Fischkörper ist dem Wasserleben angepasst:

1. Körperformen

Keine Glieder, keine Kanten, keine Körperabsätze oder -vorsprünge!

Hochrückige Form Karpfen, Brasse, Güstner ruhiges Wasser
Spindelform oder Torpedoform Hecht, Forelle, Döbel, Plötze, Zander, Nase, Makrele Strömungsfische
Schlangenform oder Keulenform Aal, Neunauge, Rutte, Wels, Koppe Bodenfische, die sich verstecken


2. Schleimhaut

wird von der Oberhaut produziert. Sie

  • verringert die Reibung,
  • schützt kurz vor äußeren Einflüssen (Säuren) und
  • stößt durch Erneuerung Bakterien usw. ab.

Folgerung: Untermaßige Fische sind zum Schutz der Schleimhaut nur mit nassen Händen anzufassen!


3. Schuppen

"Außenskelett", das den Wasserdruck verringert.

Rundschuppe bei Cypriniden
Kammschuppen bei Barschartigen Diese Fische möglichst nicht hältern!

Altersbestimmung mit "Jahresringen" an Schuppen und Kiemendeckeln.


4. Innenskelett

Die meisten Fische sind "Knochenfische" (Gräten). Neunaugen haben statt einer knöchernen Wirbelsäule einen Rückenstab aus Knorpelstücken (Knorpelfische).


5. Flossen

statt Gliedmaßen.

1. Schwanzflosse: Antrieb und seitliche Steuerung
2. Rückenflosse: Stabilisator
3. Afterflosse: Stabilisator
4. Bauchflossen (paarig): Höhen- und Tiefenruder, Bremsen und Balance
5. Brustflossen (paarig): Höhen- und Tiefenruder, Bremsen und Balance

6. Sinnesorgane

a) Seitenlinienorgan

ist ein Ferntastsinn. An beiden Seiten des Körpers befinden sich hinter Schuppenlöchern Härchen mit Nervenzellen, die Wasserbewegungen registrieren.

b) Hauttastsinn

registriert Berührungen (Laichen, Aal).

c) Gesichtssinn

Das Gesichtsfeld nach außerhalb des Wassers ist durch die Spiegelwirkung der Wasseroberfläche verkleinert, daher flacher Winkel zum Fisch.

d) Gehörsinn

Der "Webersche Apparat", ein paar Knöchelchen, die die Schallschwingungen der Schwimmblase weiterleiten, und die gute Leitfähigkeit von Wasser lassen die Fische gut hören.

e) Geschmacksinn

im Maul, auf den Lippen, auf den Barteln am Kopf, durch Wasser übertragen.

Barteln = Bartfäden.

Rutte (Quappe) 1 Barteln am Unterkiefer
Gründling 2 Barteln im Maulwinkel
Barbe 4 Barteln am Oberkiefer
Karpfen 4 Barteln am Oberkiefer und im Maulwinkel
Waller (Wels) 2 lange Barteln oben und 4 Barteln unten = 6 Barteln
Zwergwels 4 Barteln oben und 4 Barteln unten = 8 Barteln
Schlammpeitzger 6 Barteln oben und 4 Barteln unten = 10 Barteln
Schmerle 6 Barteln oben und 2 Barteln im Maulwinkel = 8 Barteln

g) Temperatursinn

registriert bis zu 1/30 Grad Celsius Unterschiede. Fische sind wechselwarme Tiere, ihre Körpertemperatur entspricht der wechselnden Wassertemperatur. Winterlaicher sind die kälteliebenden Salmoniden. Frühjahrslaicher sind die Raubfische: Hecht, Barsch (Zander). Die Schnelligkeit der Eientwicklung ist von der Wassertemperatur abhängig (bestimmte Anzahl von Tagesgraden).


7. Schwimmblase

dient als Auftriebskörper.

Keine Schwimmblase haben Bodenfische und Dauerschwimmer: Mühlkoppe (Groppe), Scholle, Makrele, Thunfisch.

Faustregel: Einkammerige Schwimmblase bei Raubfischen (Hecht, Zander), zweikammerige Schwimmblase bei Federfischen (Rotauge).


8. Andere Organe

a) Nachhirn

zwischen Augenrand und Schädeldecke
(Schlag darauf zur Betäubung vor dem Abstechen nach Tierschutzgesetz).

b) Herz

in der Kehlgegend zwischen Kiemendeckel und Brustflosse (Abstechen).

c) Zähne

Fang- oder Hundszähne Hecht, Zander
Hechelzähne Barsch, Forelle, Aal
Schlundzähne Cyprinide

d) Leber

Die gesunde Leber ist in der Regel dunkelrot.

e) Nieren

dienen der Ausscheidung flüssiger Abfallstoffe (gesund = dunkelrot)

f) Maul

rüsselartig vorstreckbar bei Brassen

g) Magen

Weißfische haben keinen Magen (kleine Nahrungsteilchen). Raubfische brauchen einen Magen (große Beutefische).

Nahrung: Die Rotfeder frisst weitgehend Wasserpflanzen. Der Karpfen frisst u.a. Schlammröhrenwürmer und Zuckmückenlarven. Jungfische fressen Wasserflöhe, Hüpferlinge und andere Zooplankter. Sie wachsen schneller als erwachsene Fische. Unmittelbar nach dem Schlüpfen ernähren sich die Jungfische vom Inhalt des Dottersackes.

Brassen und Karpfen sind Nahrungskonkurrenten. Zuviele Nahrungskonkurrenten führen zur Verbutterung (Kleinwüchsigkeit), besonders bei Weißfischen und Barschen. Gegenmaßnahmen: Wegfangen und geeignete Raubfische (Hecht).


Sonstiges

Ein Milchner ist ein männlicher reifer Fisch. Milch = Samen. Ein Rogner ist ein weiblicher reifer Fisch. Rogen = Eier. Forellen schlagen Laichmulden zur Eiablage in den kiesigen Grund. Ein oberständiges Maul weist auf die Aufnahme von Oberflächennahrung hin.


Fischkrankheiten, Fischsterben

1. Allgemeines

Fischsterben durch Krankheit: eine Fischart, langsam fortschreitend.

Fischsterben durch Abwässer: alle Fischarten, schlagartig.

Virusinfektionen werden übertragen durch Transportgeräte, -gefäße, -wasser und Fischkontakt. Bakterielle Infektionen werden begünstigt durch stark organisch belastetes Gewässer mit vielen Bakterien. Verletzungen der Schleimhaut führen häufig zu Verpilzung.

Keine Medikamente in Gewässer einbringen!

Medikamentöse Fische vor dem Verzehr mindestens 1 Monat hältern. Kranke Fische dem Gewässerwart übergeben! Nicht zurücksetzen! Einschicken von toten Fischen: eisgekühlt in Pergament oder Handtuch. Vorheriges Aufbewahren in der Kühltruhe oder im Gefrierfach des Kühlschrankes.

2. Fischparasiten

a) Innenparasiten

  1. Bandwürmer: in Darm, Leber oder Leibeshöhle. Von Hüpferling (Futter) auf kleine Fische übertragen. Komplizierter Entwicklungsgang. Zwischenwirte.
  2. Kiemenkrebs "Ergasilus": 1,0 - 1,3 mm.

b) Außenparasiten

  1. Karpfenlaus (Krebs): 4 mm, auf der Haut rote Einstiche, Folgeinfektionen.
  2. Fischege: 2 - 4 cm, Verpilzung der Einstichstellen möglich.

 
 
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